Passierschein A38 und Dynamit

Am Morgen ging es mit dem Taxi zum Flughafen und relativ pünktlich mit Boliviana de Aviación nach Sucre. Normalerweise gucken wir kurz aus dem Flieger, beobachten wie alles schnell viel kleiner wird und machen anschließend die Fensterklappe runter damit man von der Sonne nicht geblendet wird. Dieses Mal aber nicht. Der Ausblick über die Anden war einfach grandios. Für eine gewisse Zeit waren die Berge auf der gleichen Höhe wie wir im Flugzeug. Irgendwann ging es dann wieder runter und wir landeten auf einem Flughafen mitten im Nirgendwo.

Mitten im Nirgendwo
Nachdem wir unser Gepäck recht zügig einsammeln konnten ging es raus Richtung Taxis. Dort fragten uns zwei Franzosen, ob wir mit Ihnen ein Taxi teilen mussten. Klar, warum nicht dachten wir uns. Deren Geschichte war aber auch klasse. Sie sind an den Flughafen gefahren um kurzfristig einen Inlandsflug zu buchen. Am Schalter konnte sie aber nicht mit Kreditkarte bezahlen. Der Geldautomat am Flughafen wollte auch kein Geld rausrücken, so dass sie wieder zurück in die Stadt fahren mussten. Sie wollten am nächsten Tag einen neuen Versuch starten. Möglicherweise sind sie ja heute noch immer in Sucre.

Zurück zu unseren Erlebnissen. Wir bezogen unser Hostel, welches wenige Gehminuten zur Innenstadt entfernt gelegen war und nutzen die zweite Hälfte des Tages für einen Stadtspaziergang und dem Genießen der Sonne bei guten 23 Grad.

Polizeirevier
Gegen Abend merkte man schon, dass es wieder ziemlich kalt werden würde. Also ging es zur Rezeption und wir machten die gute Dame auf die Zimmerbeschreibung aufmerksam in der drinstand, dass ein Heizkörper zur Ausstattung gehört. Ich mit meinen drei Brocken spanisch, sie mit gleichen Anteilen der englischen Sprache ausgestattet und beide mit Übersetzung-App und Händen und Füßen. Irgendwie kamen wir dann auf einen Nenner und als wir von unserem abendlichen Ausflug in die Stadt zurückkamen stand eine elektrische Heizung in unserem Zimmer. Und diese sollte heizen als ob es kein Morgen mehr gäbe. Irgendwann fiel uns dann auf, dass unser Zimmer ziemlich verraucht war und wir rissen erstmal Tür und Fenster auf. Somit war es wieder kalt. Woher der Rauch nun kam, konnten wir nicht wirklich nachvollziehen. Wir heizten ab diesem Zeitpunkt nur noch mit halber Kraft und mussten die nächsten Tage keine Notlüftung mehr vornehmen.
In der Nacht sollte dann der unschöne Teil unseres Aufenthalts starten. Carolyn hatte sich den Magen verdorben und pendelte die Nacht zwischen Bett und Bad herum. 24 Stunden später ging es dann schon wieder aufwärts bei ihr, dafür zog ich in der Nacht nach. Wiederrum 24 Stunden später ging es auch bei mir wieder aufwärts. Wir haben ja unsere letzte Mahlzeit in La Paz als Auslöser in Verdacht, aber ob es das wirklich war, wissen wir nicht. Wir verlängerten unseren Aufenthalt um zwei Tage um uns richtig auszukurieren. Samstagabend musste ich dann aber doch einen Arzt aufsuchen. Nachdem bei mir am Nachmittag auf dem Weg zur Busstation etwas Schmerzen beim Atmen in der Brust auftraten, wollten wir kein Risiko eingehen.. An einem Samstagabend natürlich nahezu unmöglich, also ging es Richtung Krankenhaus. Einfach hin, untersuchen, fertig wäre jetzt natürlich zu einfach gewesen. Bevor es allerdings losging, kontaktierten wir noch einen Bekannten, der uns mal eben meine kurze Krankheitsgeschichte der letzten Tage ins spanische übersetzte. Also ging es mit Tablet und Übersetzung bewaffnet Richtung Arzt. Das vermeintlich erste Krankenhaus hatte zu oder wir waren einfach zu blind den Eingang zu finden. Weiter zu Nummer zwei. Dort saßen drei Leute (ein Arzt, ein Polizist und Mister X) vor dem Fernseher und verfolgten die Copa America im TV. Wirklich motiviert schien da keiner zu sein, was evtl. auch an der Sprachbarriere gelegen haben dürfte. Der gute Polizist führte uns aber zu zwei Schwestern, die uns wiederrum zu einem anderen Krankenhaus um die Ecke schickten. Der Polizist war aber sehr hilfsbereit und zeigte uns auf der Straße den Weg. Wir fühlten uns wie Asterix und Obelix im Irrenhaus auf der Suche nach dem Passierschein A38 (Na wer kennt es noch?).

Dort angekommen kamen wir mit unserem Tablet tatsächlich bis zu einem Arzt durch. Mit Händen und Füßen machte er uns klar, dass es besser sei, wenn wir erstmal auf der Höhe von 2800 Meter die nächsten fünf Tage bleiben würden. Er schickte uns mit einer Liste zur Apotheke wo wir ein paar bunte Pillen, Hustensaft und eine Spritze erhielten. Zurück beim Arzt, gab es eine Spritze für mich und wir konnten das Krankenhaus mit unserem persönlichen Passierschein A38 verlassen.
Wir beschlossen uns für die nächsten Tage eine bessere Unterkunft zu suchen, da ich mich richtig ausruhen und nicht zu früh wieder durchstarten wollte. So verbrachten wir die nächsten fünf Tage mit Ruhe, Reiseplanung, Essen und auch einer gehörigen Portion Langeweile.

Gasse
Am folgenden Freitag konnte es dann endlich weiter nach Potosi gehen. Potosi ist vor allem für den Cerro Rico bekannt, einem Berg in dem noch heute u.a. Silber abgebaut wird und in den Medien als einer der gefährlichsten Orte der Welt bezeichnet wird.
Der Cerro Rico im Hintergrund
Auf eine Besichtigung der Minen verzichteten wir an der Stelle. Unser primäres Ziel am Nachmittag war der „Mercado de los Mineros“. Hierbei handelt es sich um den einzigen öffentlichen Markt der Welt, wo jeder legal Dynamit kaufen kann. Da der Bieberer Berg doch etwas weit weg war, beließen wir es bei einer kurzen Fotosession in einem der Läden.
MacGyver Starterset
Dieses MacGyver Selbstbau-Set kostet wie auf dem Bild zu sehen 30 BOB (ca. 4 Euro). Ohne Sprengstoffsatz machten wir uns wieder zurück in die Innenstadt und schauten uns diese noch etwas an.
Plaza de 10 Noviembre
Bereits am nächsten Tag ging es mit dem Bus weiter nach Uyuni. Über unsere erste Langstreckenbusfahrt seit Mitte Februar und unserem Aufenthalt in Uyuni werden wir zeitnah berichten.

Viele Grüße in die Heimat
Christopher & Carolyn

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One Response to Passierschein A38 und Dynamit

  1. Hans-Joachim Schulz says:

    Eure Berichte sind wirklich lesenswert.
    Gruß Achim

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